Das Kupferbeil von Unterhaching
um 3500 v. Chr. ‑ Jungsteinzeit

Das hier in gezeigte Beil (Beilklinge) stammt aus der späten Jungsteinzeit, dem sog. Jungneolithikum, und ist etwa 5500 Jahre alt. Es besteht aus fast reinem Kupfer und gehört zu den ersten Metallgeräten, die nördlich der Alpen hergestellt worden sind.
Das Beil wurde um 1970 auf dem Acker des Landwirtes Weise in Unterhaching gefunden. Dieser übergab es dem damaligen Schullehrer Neumeier, der es für den Unterricht als Zeugnis vergangener Kulturen verwendete. Im Jahre 2004 schenkte er es dem Förderverein des Museums.
Typologisch, also seiner Form nach, gehört das Kupferbeil zur sogenannten Altheimer Kultur. Namengebend war das 1911 entdeckte und 1914 ausgegrabene Erdwerk von Altheim-Essensbach bei Landshut in Niederbayern, wo ein Beil dieses Typs zum ersten Mal gefunden wurde.
Die Altheimer Kultur ist eine Kulturstufe innerhalb des späten Neolithikums, und kann etwa zwischen 3800 und 3300 v. Chr. angenommen werden. Sie gehört damit in den Zeitabschnitt zwischen Jung- und Endneolithikum, der auch als „Kupfersteinzeit“ oder „Chalkolithikum bzw. Äneolithikum“ bezeichnet wird.
Ihr Kerngebiet befand sich in Niederbayern und der südlichen Oberpfalz. Sie streute zwischen Lech, Inn und den Alpen.
Kupfer ist als relativ weiches Metall gut formbar und zäh. Da sein Schmelzpunkt bei 1080 Grad Celsius relativ niedrig liegt, kann es leicht bearbeitet werden.
Zur damaligen Zeit stellte der Einsatz von Kupfer sicherlich einen gewaltigen technischen Fortschritt gegenüber den Steinwerkzeugen dar, die jedoch, wie Funde zeigen, noch lange Zeit parallel dazu im Gebrauch waren. Kupferwerkzeuge waren aufgrund ihrer weichen Beschaffenheit nur bedingt einsatzfähig, da sie sich schnell abnutzten.
Die Verwendung dieses Kupferbeils ist nicht eindeutig geklärt. Vermutlich wurde es als Kultgerät oder Opfergabe verwendet, da es kaum Gebrauchsspuren vom Schlagen auf Holz oder als Kriegsgerät aufweist. Hinweise darauf ergeben sich aus Funden späterer Zeit, die als Weihegaben an Gewässern oder Quellen belegt sind.
Erst um 2000 v. Chr., also 1500 Jahre später kam in unseren Breiten das Wissen auf, Bronze herzustellen. Damit begann die Brozezeit.